Eva M. (*1949)

Skiunfall vor sechs Jahren. Cervico-craniales Kombinationstrauma. Höllischer, unlokalisierbarer Schmerz. Wurde am Unfallort unsachgemäss behandelt. Erst 2-3 Monate später durch den Vertrauensarzt ihres Arbeitgebers zu gründlichen Untersuchungen veranlasst. Die Folgen: 8 Monate Rehabilitation. Symptome nach dem Unfall: Schwindel (findet sich plötzlich am Boden wieder), Erbrechen, Schwitzen, Wahrnehmungsstörungen, verschwommenes Sehen, Tiefensensibilität (Raumempfinden) verloren. «Es ist, wie wenn du seekrank wärest auf dem Land.»
Lebt allein in der eigenen Wohnung. «Das ist ein grosses Glück», sagt sie. Hat einen erwachsenen Sohn und Enkelkinder.

Früher Sachbearbeiterin bei einer Bank, mit eigenem Kundenstamm; nach dem Unfall Arbeitsversuche mit dem Sortieren von Belegen. Nach langem Kampf und diversen ärztlichen Gutachten heute nicht mehr im Arbeitsprozess.

Wege zurücklegen geht an die Substanz, Bewegungen sind begrenzt. Oft starke Schmerzen am Kopf. Stadt ist ein Horror, «schnelle Bewegungen, zwei gleichzeitig ablaufende Vorgänge, vertrage ich nicht mehr.» Kann kein ganzes Buch mehr lesen.

Braucht viel Zeit, sich neuen Situationen anzupassen. «Ich hatte eine klare Linie und klare Vorstellungen vom Leben – jetzt entscheide ich von Fall zu Fall».

Die schlimmste Einschränkung: In der Gesellschaft nicht mehr dabei sein zu können. Konzerte nur mit Ohropax, Lärm macht weh, die Atmung rotiert, das Herz beginnt zu rasen.

Hat zuletzt über drei Jahre an einem gestalterischen Lehrgang teilgenommen. «Darauf bin ich stolz. Mit den Händen arbeiten ist Therapie.» Kocht gerne. Braucht viel Ruhe und Natur. «Ich kann nicht mehr alles tun, was ich gerne möchte – probiere es aber immer wieder. Mit Erfolgen und Misserfolgen.» Atmungstherapie hilft am Morgen, Craniosakrale Osteopathie löst immer wieder Verspannungen in Schultern, Kopf und Halswirbelsäule, auch Lymphdrainage hilft.

«Es ist in allem immer wieder etwas Gutes. Trotzdem: mein Leben vorher und jetzt ist wie Tag und Nacht. Ich muss schon sagen, das was jetzt ist, ist der härteste Job in meinem Leben.»

Kleine Lösungen – Ausfälle und Einfälle
Ein Film über das Leben mit Hirnverletzung.mit Mitgliedern der Basler Selbsthilfegruppe. Von Michael Nemitz
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last update: 20.10. 2001