Nelly S. (*1938)

Reitunfall vor 23 Jahren. Das Ross scheut wegen einem lauten Geräusch. Erst wird das Ross wieder eingefangen, Nelly wird von einer Frau, die in der Nähe wohnt, zu sich geholt. Ein herbeigerufener Arzt empfiehlt, sie mit dem PW ins Spital zu bringen. Erst Liestal, neun Tage später Basel, wo sie drei Monate bewusstlos liegt. Danach Bruderholzspital Baselland.

Zu Anfang im Rollstuhl, kann nicht selbst essen. Wartet einen Augenblick ab, in dem weder Arzt noch Schwester im Zimmer sind. Probiert dann, aus dem Rollstuhl ins Bett zu kommen. Es gelingt.

Nach sieben Monaten kann sie die Wochenenden wieder bei Mann und Tochter verbringen, nach fast einem Jahr, nach einer schweren Operation, wird sie entlassen. Die ersten zwei Wochen tut der Mann alles, dann ist sie wieder an der Reihe, Mittagessen auf zwölf Uhr. «Ich beginne um neun Uhr zu kochen. Dann lege ich mich ein bisschen hin, koche wieder, schlafe, koche, schlafe und so weiter. Gewisse Dinge weiss ich nicht mehr, wie man sie machen muss. Dann muss ich jemanden fragen, oder 'studieren'. Ich weiss z.B. nicht mehr, dass man bei einem Gericht Wasser zufügen muss, bis mir das jemand sagt.»

Lebt jetzt allein mit den zwei kleinen Hunden Anni und Xenia. «Die sind mein ein und alles». Die Mutter wohnt noch im selben Haus. 1995 die Scheidung vom Mann, kein grosser Kontakt mehr zu den drei Kindern.

Vor einem Jahr hat die AHV die 100%-IV-Rente abgelöst. Der Verkauf ihres Hausanteils macht sie etwas unabhängiger. Hat aber immer gearbeitet: zunächst mit einer Postlehre, dann aber frühe Heirat und Familie. Während der Ehe Heimarbeit, später eine Halbtagsstelle.

Kann nicht soviel machen, muss immer ein wenig ruhen, hat länger als andere, um einen Brief zu verstehen.

Geniesst ihre Unabhängigkeit. «Mir ist so wohl alleine. Ich habe ein Auto, kann gehen und kommen, wann ich will. Das Wichtigste ist, dass man einem hirnverletzten Menschen etwas zutraut, dass man daran glaubt, dass ein Hirnverletzter alles machen kann. Wenn ich niemanden fragen kann, lerne ich sehr viel».

Kleine Lösungen – Ausfälle und Einfälle
Ein Film über das Leben mit Hirnverletzung.mit Mitgliedern der Basler Selbsthilfegruppe. Von Michael Nemitz
© 2001 Bildmanufaktur* – mail webmaster
last update: 20.10. 2001